Transplantierte Darmbakterien verleihen Krebserkrankten zweite Chance
Zürich/Schlieren ZH – Forschende der Universität Zürich haben gezeigt, dass eine Transplantation von Darmbakterien bei Krebserkrankten eine Immunantwort auslösen kann. Dabei ist nicht die Zusammensetzung des übertragenen Darmbioms entscheidend, sondern auf welches Immunsystem es trifft.
(CONNECT) Ein Team von Gastroenterologen der Universität Zürich (UZH) hat laut einer Mitteilung einen Weg gefunden, um bei Patientinnen und Patienten, bei denen eine Krebs-Immuntherapie bisher erfolglos war, eine Immunantwort auszulösen. Der Weg zeigte sich im Rahmen des Zürcher Microbiom-Projekts, das von 2022 bis Ende 2025 vom Comprehensive Cancer Center Zurich mit 1,65 Millionen Franken gefördert wurde. Dabei untersuchte ein interdisziplinäres Team am Universitätsspital Zürich und an der UZH, ob das Darmmikrobiom, also die Gesamtheit der Bakterien im Darm, für die Immunantwort eine Rolle spielt. Denn in den vergangenen Jahren war in Studien weltweit beobachtet worden, dass Darmbakterien das Immunsystem weit stärker beeinflussen, als bisher angenommen.
Von dem Zürcher Team erhielten Patientinnen und Patienten, deren Tumor unter einer laufenden Immun-Checkpoint-Blockade nicht reagiert hatte, zusätzlich einen fäkalen Mikrobiota-Transfer (FMT). Dabei wurde ihnen per Darmspiegelung das Mikrobiom einer Person übertragen, bei der diese Immuntherapie erfolgreich verlaufen war. Das Ergebnis: die Krebstherapie zeigte bei jeder zweiten bis dahin therapieresistenten Person plötzlich Wirkung.
Zunächst glaubten die Forschenden, dass die exakte Zusammensetzung des Mikrobioms den Unterschied macht. Stattdessen ist den neuen Daten zufolge entscheidend, auf welches Immunsystem das Transplantat trifft. Krebspatientinnen und -patienten mit einer bestimmten Population an Monozyten im Darm sowie einer hohen Diversität der T-Zell-Rezeptoren profitierten deutlich häufiger.
„Der Transfer veränderte die immunologischen und metabolischen Gegebenheiten so, dass die bestehende Therapie wirksam werden konnte“, wird Michael Scharl zitiert. Er ist UZH-Professor für Translationale Mikrobiomforschung und Gastroenterologe am Universitätsspital Zürich. Ein FMT schafft demnach keine neuen immunologischen Fähigkeiten – er mobilisiert vorhandene.
Um bisher therapieresistenten Personen eine zweite Chance zu geben, wurde laut UZH die nächste klinische Studie bereits eingeleitet: Gemeinsam mit der in Schlieren ansässigen ZüriPharm AG, Mitglied des Bio-Technoparks Schlieren-Zürich, sollen die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, den FMT perspektivisch in die klinische Routine zu überführen. ce/mm